Gedanken zur sexuellen Revolution

7. Brief

Liebe Leonie,

ja, laut Margret Sanger wird die Menschheit durch Sex eine große geistige Erleuchtung erlangen, welche die Welt verändern wird und der einzige Weg hinauf zu einem irdischen Paradies sei.

Aber sie hat eines nicht bedacht, nämlich dass diese Einstellung und die daraus entstandenen Praktiken der letzten 50 Jahre die Gesellschaft ungünstig beeinflussen. Meiner persönlichen Meinung nach kann man die hohen Scheidungsraten, die bedauerlichen Abtreibungszahlen und auch die für jeden zugängliche Pornographie als Auswirkungen dieser Veränderungen sehen, denn es entstanden Trennungen, die chronologisch aufeinander folgten:

Trennung von Sexualität und Fruchtbarkeit: Sex ohne Babys und Babys ohne Sex,

Trennung von Sexualität und Verantwortung,

Trennung der Sexualität von Ehe und Familie,

Trennung der Sexualität von jeglicher Bindung (Freizeitsex).

Durch diese Trennungen entstanden und entstehen immer noch Probleme, die für die Gesellschaft, für die Familien und für jeden einzelnen schwierig zu lösen sind. Das Kinderhaben wird zu einer Entscheidung von größter Verantwortung und ist nicht mehr natürliches Resultat der Entscheidung der Ehe.

Liebe Leonie, diese Sichtweisen lernte ich in meinem Studiengang „Theologie des Leibes“ bei Professor Dr. Stephan Kampowski kennen, der uns die Anthropologie und Phänomenologie von Johannes Paul II näherbrachte.

Ein Freund von mir, nennen wir ihn Dieter, hatte in seinen jungen Jahren zahlreiche Schäferstündchen mit stets wechselnden Partnerinnen und pries sich immer wieder mit seinen Eroberungen. Für ihn war es wichtig, seine Lust zu stillen und seinen Spaß zu haben. So war er froh, dass er sich über Verhütung keine Gedanken mehr machen musste. Denn das übernahmen ja immer die Frauen.

Dieter ist mir ein sehr guter Freund und jetzt sind wir beide über 50 Jahre alt.

Er ist alleine und kann sich nicht auf „eine“ Frau einlassen, obwohl er es sich dies so sehr wünscht.

Durch seine Geschichte sieht man, dass der Begriff Freiheit eine neue Dimension bekommen hat. Freiheit bedeutet nun auch Bindungslosigkeit und jede persönliche Bindung beraubt die Person der Freiheit.

So ist es inzwischen ein Ideal vieler, Sexualität ohne Bindung und ohne Konsequenzen zu leben. Meiner Meinung nach ist diese Bindungslosigkeit ein großes Problem unserer Gesellschaft.

Liebe Leonie, bis nächsten Donnerstag,

Alles Liebe Deine Maria