Sexuelle Revolution

6. Brief

Liebe Leonie,

1968 begann die sogenannte sexuelle Revolution. In dieser Zeit passierte viel und unter all den Strömungen gab es gute und schlechte.  Es ist nicht zu leugnen, dass die Rechte der Frau sehr eingeschränkt waren. Man bedenke: In Deutschland war es Frauen erst ab 1918 gestatten, wählen zu gehen und bis ins Jahr 1958 konnten sie ohne Erlaubnis ihres Mannes keinen Führerschein machen. So haben sich mutige Frauen schon ab 1846 aufgemacht, um für ihre Rechte zu kämpfen.

1968 ging der Kampf weiter, die Pille hielt Einzug in das Leben und auch wegen der Schriften Simone de Beauvoirs, in denen die Mutterschaft als Falle bezeichnet wird, wurde die Sexualität immer freier gelebt. Schließlich gab es von da an nicht mehr die Angst, ungewollt schwanger zu werden.

Zudem ging aus den Schriften W. Reichs hervor, seine ärztliche Erfahrung lehre ihn, dass Sexualunterdrückung krank, pervers und lüstern mache. Auch solle Abstinenz zu Neurosen führen. Deshalb schlägt Reich vor, die Ausübung von Sexualität als Therapie zu sehen.

„Der Kern des Lebensglücks ist sexuelles Glück und sexuelles Vergnügen führt zu Gesundheit und Glück“, so Reich.

Liebe Leonie, diese Schriften wurden schließlich so gedeutet, dass das Leben in der Ehe und in der Familie die gesunde Ausübung der Sexualität unterdrücke und die Menschen, die in Ehe und Familie leben, deshalb krank und depressiv würden. Daraus entwickelten sich schließlich die Ideen der freien Revolution.

Darüber hinaus würden die Frauen laut diesen Gedanken von den Männern ausgenützt und daran gehindert, sich selbst in ihrer eigenen beruflichen Karriere zu verwirklichen. Um die Frau zu befreien, müsse sie sich von den Ketten der Natur befreien und das sei nur möglich, wenn ihr wirksame Verhütungsmittel zur Verfügung stünden.

Wie Margaret Sanger anmerkt: „Es kann sich keine Frau frei nennen, die nicht ihren eigenen Körper kontrolliert und besitzt“.

Nur durch die Geburtenkontrolle werde die Frau frei, sie würde ihre Liebesnatur unabhängig von ihrer Mutterschaft entwickeln und Sex haben können, ohne Furcht vor der Mutterschaft haben zu müssen. Somit kann die Frau Sex haben, genau so wie der Mann. Solche und viele andere Slogans wurden in dieser Zeit postuliert.

Diese Strömungen haben unsere Gesellschaft und dessen Wertevorstellungen sehr verändert. Deswegen ist es wichtig, sich im Besonderen dieses Thema aus vielen Betrachtungsweisen anzusehen und ich freue mich, liebe Leonie, auch hier wieder unterstützen zu dürfen.

Liebe Leonie, bis zum nächsten Donnerstag

Alles Liebe Deine Maria