Macht der Frau

Kapitel 61

Auf ihrem Fest!

Leonie glaubt ihren Augen nicht zu trauen. In der Tür stehend, grinsen sie Andreas und Marco an. Auf ihrer Babyparty! Erschreckt blickt sie zu ihrer Mutter, um daraufhin ihre Augen auf Andrea und Julia zu richten. Beide strahlen sie mit einer Freude an, so dass es Leonie sofort klar wird, wem sie dieses Zusammentreffen zu verdanken hat.

Überraschung!

Andreas spaziert an der Pferdeschwemme vorbei, Richtung Dom. Er freut sich, denn er soll heute auf Lillys und Leonies Babyparty der Überraschungsgast sein. Drei Tage ist es her, dass er Julia in einem Restaurant getroffen und richtig kennen gelernt hat. Sie ist auf ihn zugekommen und hat ihn unumwunden gefragt, ob er der Geheimnisvolle sei. Nach einigem Zögern und seinen fragenden Blicken stellt sie sich als Leonies Freundin vor.

Sie reden bis tief in die Nacht hinein  und sie erzählt ihm viel von Leonie. Dass sie ihre Freundin noch selten so glücklich erlebt habe, wie in der Zeit mit Andreas, aber auch, dass Leonie überaus niedergeschlagen wirkte, als es plötzlich endete. Natürlich hat sie sich selbst gefragt, warum ihre Freundin so überstürzt handelte. Doch nachdem Leonie sich für das Kind entschieden hatte, beichtete sie Julia und Andrea alles. Ihre Wut auf sich selbst nach dem One-Night-Stand, die tiefe Traurigkeit, die sie durch den Verlust von Andreas lange begleitete, ihre Verzweiflung als sie erfuhr, dass sie schwanger ist und die immer größer  werdende Freude, je weiter ihr Bauch wuchs.

Julia hört gar nicht mehr auf, von ihrer besten Freundin zu schwärmen und lädt ihn am Ende des Abends als Überraschungsgast zu dieser Party ein.

Ein blauer Elefant

In Gedanken versunken, sieht er den Mann nicht, der wie er, mit einem eingepackten buntem Etwas, direkt auf ihn zukommt.

„Entschuldigen Sie, können Sie mir sagen, wie ich zum Papagenoplatz komme?“, wird er gleich darauf von diesem angesprochen.

„Ich habe zwar die Adresse auf meinem Handy, aber irgendwie gehe ich immer wieder in die falsche Richtung.“. In dem Moment fällt Andreas auf, dass der Unbekannte ebenfalls ein Stofftier, in Cellophan verpackt, im Arm hält. Er hat eine kleine Giraffe für Leonies Baby mitgenommen, der Andere trägt einen kleinen blauen Elefanten unter dem Arm.

„Wollen Sie auch zu der Babyparty von Lilly?“, will Andreas, auf den Elefanten zeigend, wissen.

„Nein, ich besuche die Party einer Leonie.“, gibt der Andere breitwillig Auskunft.

„Dann gehen wir zum selben Fest. Du kannst gerne mit mir kommen.“, wechselt Andreas vom Sie aufs du.

„Danke. Ich bin gerade erst jetzt von Wien gekommen und bin so was wie ein Überraschungsgast. Leonie hat mir gestern von dieser Party erzählt und ich dachte ich komme einfach vorbei, denn ich bin ja irgendwie involviert.“, gibt Marco lachend seine Motivation preis.

„Na bravo, da wird sich Leonie sicher freuen. Gleich zwei unerwartete Männer.“, denkt Andreas schmunzelnd bei sich.

„Marco.“

„Andreas.“, stellen sich beide Männer vor und schütteln sich kräftig die Hände.

„Ich möchte den Weg über den Domplatz nehmen. Ist das Ok für dich?“, von der Getreidegasse kommend, wendet sich Andreas links Richtung Berg.

„Ja gerne.“, folgt Marco Andreas in schnellen Schritten in die Franziskanergasse.

„Kennst du unsere Maria Regina auf dem Domplatz?“, auf eine große Statue zeigend, betreten sie den Platz. Von diesem Blickpunkt sieht es optisch so aus, als ob die mächtige Frau, auf ihrem Marmorpodest, von Engeln mit einer Krone gekrönt werden würde. Bei näherem Hintreten erkennt man, dass die Engel an der Domfassade befestigt sind. Die Statue befindet sich genau in der Mittelachse des Doms. Marco ist von diesem Anblick völlig überwältigt und bleibt stehen.

„Ich besuche immer gerne diesen Platz. Weißt du, ich bin Christ und neben Jesus bedeutet mir die Mutter Gottes sehr viel. Ich mag die Darstellung, die ihre Stellung demonstriert – als Königin der Welt.“  spricht Andreas seine Gedanken aus und gemeinsam schlendern sie weiter, vorbei an der Statue, vorbei am Dom, Richtung Papagenoplatz.

„Interessant was du da sagst. Haben nicht alle Frauen so eine gewisse königliche Macht? Ich komme extra aus Wien, um Leonie diesen kleinen Elefanten zu bringen.“, lächelnd hebt Marco das blaue Stofftier hoch und versucht mit den schnellen Schritten von Andreas mitzuhalten.

„Für mich ist das eine neue Erfahrung. Als Tanzlehrer bin ich eigentlich immer derjenige, den die Frauen begehren. Ich tanze gut und da die meisten Frauen sehr gerne geführt und gehalten werden wollen, habe ich nie Probleme, die Oberhand zu behalten.“, fast ein wenig angeberisch erzählt Marco seine eigenen Erfahrungen.

„Aber diese Frau hat es mir vom ersten Augenblick angetan. Sie ist etwas ganz Besonderes.“, gibt Marco leiser werdend zu.

„Leonie ist eine besondere Frau. Sie hat in der letzten Zeit einiges mitgemacht, aber sie entschied sich richtig, sie sagte ja zu ihrem Baby und man sieht ihr an, dass diese Entscheidung ihrer Würde entsprechend ist.“, mit einem Lächeln bringt sich Andreas wieder ins Gespräch ein und betritt den Mozartplatz, auf dem die Statue des wohl berühmtesten Sohnes dieser Stadt steht.

Macht der Frauen

„Was glaubst du, ist in Wirklichkeit die Macht der Frauen? Warum führen wir, das sogenannte starke Geschlecht, uns oft so durchgeknallt auf, wenn es um sie geht?“, stellt Marco diese nicht einfach zu beantwortende Frage.  „Ich verstehe mich selbst nicht, aber ich fahre 3 Stunden mit dem Zug, bin lange unterwegs, nur um Leonie einige Augenblicke sehen zu können.“, erzählt Marco frei heraus.

Eisig. Eifersucht

In Andreas melden sich unversehens ungute, eisige Gefühle. Eifersucht? „Tja die Macht, diese Kraft und Stärke, die ihnen innewohnt, diese Andersheit wird für uns Männer wohl immer geheimnisvoll bleiben. Aber vielleicht ist es ihre Sicht der Dinge, vielleicht weil sie oft so komplett anders denken, reden und fühlen. Vielleicht ist es auch ihre Schönheit. Sie sind und bleiben immer geheimnisvoll und darum wollen wir Männer unbedingt das Rätsel knacken. Wir Männer lieben es, Limits zu überschreiten und die Damenwelt legt uns schon einige dieser Grenzen vor. Aber was die geheimnisvolle Macht der Frauen in Wirklichkeit ausmacht, weiß ich auch nicht genau.“, versucht nun auch Andreas die Antwort auf diese ewige Frage zu finden.

Königin

„Ich besuche deshalb den Dom und vor allem den Platz mit der Mariensäule so gerne, weil mich die Muttergottes, wie bereits erwähnt, immer an eine Königin erinnert. Frauen haben immer etwas Mütterliches aber auch Königliches an sich. Vielleicht ist es ihre Art zu lieben, die ja oft im Dienen Ausdruck findet. Wir brauchen nur eine Mama mit ihren Kindern beobachten. Mutter Teresa hat einmal gesagt: „die Frucht der Liebe ist das Dienen und die Frucht des Dienens ist der Friede. Jeder Mensch will ja in Frieden leben. Ich glaube wir fühlen uns so von den Mädchen angezogen, weil sie wahrscheinlich in ihrem Innersten alle Königinnen sind. Königin der Liebe und Königinnen des bedingungslosen Dienens. Gerade weil sie Mütter werden können, kennen sie das Geheimnis des Lebens. Wir Männer müssen schon viel auf die Füße stellen, um so etwas Großartiges auf den Weg zu bringen, wie ein neues Menschenleben.“, freudig holt Andreas in seinen Darstellungen aus.

Vater

„Um ehrlich zu sein, ich habe erst vor kurzem erfahren, dass ich Vater werde. Ich weiß nicht, warum ich es dir erzähle, aber diese Macht, Kinder bekommen zu können, muss wirklich etwas damit zu tun haben. Jedenfalls möchte ich mit dieser Frau unbedingt zusammen sein, denn sie bekommt mein Kind!“, voller Freude berichtet Marco Andreas seine innersten Gedanken.

Andreas zuckt unmerklich zusammen, denn ein heftiger, heißer Stich durchdringt sein Herz. Wie ein zweischneidiger Dolch, der in ihn dringt. Das ist der Vater von Leonies Kind.“, Andreas erstarrt kurz, lässt sich aber nichts anmerken und versucht zu lächeln, was aber in einem Grinsen erstarrt.

„Ja, das kann es sein. Ich finde schwangere Frauen auch immer besonders hübsch und Leonie ist wirklich wunderschön geworden.“, bestätigt Andreas Marco gerade als sie das Lokal erreichen.

„Darf ich dich fragen, in welcher Beziehung du zu Leonie stehst?“, Marco bleibt stehen und blickt Andreas plötzlich ernst und herausfordernd in die Augen. Es ist fast so etwas wie ein Kampfgeist zwischen den beiden zu spüren, als ob jeder sein Revier abstecken will.

Andreas wird, die Hand auf dem Griff der Eingangstür liegend, augenblicklich bewusst, dass hier der Vater von Leonies Kind steht, dass dieser Mann mehr Anrecht auf die junge Mutter hat, als er. Er erinnert sich an die traurigen Gefühle, als er Leonie dabei beobachtete, wie sie mit Klausi in der Sandkiste spielte und er glaubte sie hätte ein Kind. Wie sehr hat er sich gefreut, als sie ihn aufklärte und ihm ihren Neffen vorstellte. Doch jetzt ist sie wirklich Mutter, jetzt bekommt sie ein Baby von diesem Mann, der natürlich als Vater alle Rechte der Welt auf sein Kind und dadurch auch auf diese junge Lady hat. Ja sie ist eine Lady, aber nicht seine. Er wollte sich umdrehen, das Lokal so schnell wie möglich verlassen, aber Marco schiebt ihn ins Lokal und blickt ihm dabei immer noch fragend ins Gesicht.

„Ich bin ein Freund. Ich bin nur ein guter Freund.“, mit leerer Stimme betritt Andreas das kleine Bistro und blickt direkt in erstarrte Augen.

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Königlich

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