Der Mann, der seine Träume lebt!

Kapitel 49

Ich hab dich lieb, so lieb, ich will nur, dass du´s weißt.“

Diese wunderbare Melodie, des Songs von Grönemeyer, summt Leonie in der letzten Zeit immer wieder und manchmal singt sie lautstark den Refrain. „Ich hab dich so lieb, so lieb!“.

Wo sind die letzten 3 Monate geblieben.

Es ist kurz vor Weihnachten und sie ist in der 25. Woche. Wie sehr hat sich ihre Einstellung zum Leben geändert. Wie sehr sieht sie ihr Leben in anderen Farben, wie sehr ist sie jetzt auf anderen, auf glücklicheren Wegen. Als ob ein Turbo des Glücks in ihr gestartet worden sei. Zwar kommen noch oft Gedanken der Sorgen und auch der Angst in ihr hoch, aber diese werden meist in Luft aufgelöst, wenn sie an ihr Mädchen denkt. Dass es ein Mädchen ist, davon ist sie mehr als überzeugt.

Mit einem Schmunzeln im Gesicht denkt sie an den Nachmittags-Kaffee bei ihrer Großmutter zurück, als sie den vier Frauen ihre Schwangerschaft gestanden hatte. Leonie erinnert sich mit Heiterkeit an das verdutzte Gesicht ihrer Mutter. Verwunderung, Fragen, Erschrecken aber auch Freude spielgelten sich in dem vertrauten Antlitz. Damals hielt Leonie kurz die Luft an, aber die Freude über diese Überraschung gewinnt nach und nach. Nach einer kurzen Schrecksekunde stand Ingeborg eilig auf, ging um den Tisch herum und umarmte ihre Tochter lange.

„Ich freue mich, mein Schatz. Wirklich ich freue mich von ganzem Herzen und werde dich wo ich kann unterstützen.“, Ingeborg drückte Leonie an sich und fing plötzlich zu weinen an. Gertrude, Lilly und Leonie blickten fragend zu Ingeborg, die sich nach einigen Minuten fasste. “Wolltest du wirklich abtreiben und was hat dich davon doch noch abgehalten?“, wollte ihre Mutter wissen.

„Ach Mama, ich weiß es eigentlich nicht. Durch viele Gespräche mit euch allen, mit Papa, mit einer Beraterin und dann auch noch mit einem Priester veränderte sich meine Sichtweise. Jeder von euch hat mir einen anderen Aspekt auf das Leben eröffnet. Papa sprach vom Wert des Lebens, Omi erzählte mir ihre Geschichte, Heike Schmidt mit der ich viel chattete und dann auch telefonierte, forderte mich immer wieder auf, mir Zeit zu lassen, um eine Entscheidung treffen zu können, die mir Frieden schenken möge. Du hast mir erzählt, dass der Körper nicht lügen könne und ich glaube, meine eigenen Hände haben mich letztlich überzeugt. Als der Priester das Vater unser betete, erkannte ich, dass meine Hände in stressigen Situationen immer das Baby beschützten, indem sie sich um den Bauch legten und ja da erkannte ich, dass ich dieses Kind nicht hergeben kann, ob ich will oder nicht. Es ist schon ein Teil von mir.

Ich hab dich lieb, so lieb!“. 

Ja, du bist ein Teil von mir. Du bist mein Baby. Leonie lächelt in sich hinein und genießt die Schokotorte im Wiener Kaffeehaus. Die letzten drei Monate hatte sie viel Arbeit mit der geplanten Leihmutterschaftseinführung in Österreich, aber immer mehr kommt ihr dieses Vorhaben nicht richtig vor. Allein der Gedanke, sie müsse ihr Kind hergeben, versetzt ihrem Herzen einen schmerzlichen Stich und nimmt ihr jedes Mal den Atem.

Leonie genießt die stille Stunde im Kaffeehaus, zahlt und freut sich auf einen gemütlichen Abend in ihrem kleinen Zimmer, das sie sich doch noch gemütlich hergerichtet hat. Abends ausgehen ist nicht mehr drin, denn sie ist nach einem arbeitsreichen Tag hundemüde. Gedankenverloren schiebt sie den roten Vorhang vor der Ausgangstüre beiseite, macht einen Schritt vor und stößt mit einem Mann zusammen. Sie blickt auf, um sich zu entschuldigen und sieht in die schönsten Augen, die sie je gesehen hat. Es verschlägt ihr die Sprache und sie verharrt auf der Stelle. Die Zeit dehnt sich. „Hallo!“, mehr kann sie nicht sagen, denn die Aufregung nimmt Besitz von ihr und umklammert sie mit festem Griff. Es spürt sich an, als ob sie in ein eisiges, dunkles Wasser geworfen worden sei.

„Hallo“, auch Andreas weiß nicht mehr zu sagen. So stehen sich die beiden im Eingang gegenüber und verharren, in die Augen des anderen versunken.

„He, macht doch einmal Platz. Wir möchten auch gerne in die warme Stube!“, drängt eine Gruppe von Jugendlichen an den beiden vorbei.

„Wie geht es dir?“ fängt nun doch Andreas als Erster an.

„Mir geht es gut,“, lächelt Leonie und streichelt automatisch ihren Bauch. In dem Moment spürt sie wieder ganz leichte Bewegungen ihres Kindes, die ihr ein Strahlen ins Gesicht zaubern.

Andreas erkennt sofort, was los ist und es verschlägt ihm die Sprache. „Du bekommst ein Kind?“, blickt er auf ihre kleine, fast nicht wahrnehmbare Wölbung und die Farbe weicht ihm aus seinem Gesicht. Blass starrt er Leonie an.

Leonie weiß nicht was sie sagen soll. Sie vermisst ihn immer noch und oft fragt sie sich, was wäre gewesen, wenn sie nicht einfach gegangen sei. Doch vorbei ist vorbei.

„Ja. Ende März werde ich nicht mehr Zeit haben, um ins Kaffee gehen zu können!“, nervös lächelt Leonie an Andreas vorbei, um ihn nicht in seine Augen sehen zu müssen.

Darum hast du Schluss gemacht?
„Komm, hast du Zeit. Lass uns etwas zusammen trinken?“, traurig, aber doch erwartungsvoll sieht er sie an. Leonies Herz beginnt durch diesen ihr so vertrauten Blick an zu rasen, ihre Knie werden ganz weich und sie kann nicht anders als zuzustimmen. So betreten sie gemeinsam das Kaffee und finden in einer kuscheligen, mit rotem Samt tapezierten Ecke, einen kleinen Tisch.

Leonie sitzt noch gar nicht richtig, da schießt es unerwartet aus Andreas heraus.

„Also das war der wahre Grund, warum du Schluss gemacht hast. Du hast dich in der Zeit als wir uns noch getroffen haben, in einen anderen verliebt und wie man sieht bist du auch glücklich!“, fast angewidert zeigt Andreas mit seinem Blick auf ihre Mitte.

Was soll sie jetzt sagen, soll sie lügen? Nein auf so einen Kindergarten hat sie keine Lust mehr.

„Nein, leider war die Geschichte eine andere. Ich hatte, als wir uns kennenlernten, einen One-Night-stand und wurde schwanger. Zuerst wollte ich abtreiben und da du so dagegen warst, wusste ich, dass es egal wie ich mich entscheide, für dich nie richtig und gut sei. Darum habe ich es noch beendet, bevor wir uns noch mehr ineinander verliebten.“, ernst geworden blickt Leonie Andreas direkt an.

„Was? Das verstehe ich jetzt nicht. Du dachtest wirklich ich wäre gegangen, wenn du mir das erzählt hättest?“.

„Ja natürlich, was den sonst!“, verständnislos sieht Leonie auf.

„Kennst du die Geschichte von Josef?“

„Nein, welcher Josef?“

Ich war zu feig.
„Der heilige Josef, der Ziehvater von Jesus. Er ist viele Jahrhunderte in der Kirchengeschichte nicht erwähnt worden. Er wurde in den ganzen Erzählungen nie richtig wahrgenommen und auf den Bildern ist er immer eine Nebengestalt. Doch er ist schon immer für mich einer der stärksten, kraftvollsten Gestalten der Bibel. Er hat dieses Kind angenommen und hat Maria mit dem Baby beschützt und vor allem vor Gefahren verteidigt. Zwar hat der Engel am Anfang noch einmal ein ernstes Wort mit ihm reden müssen, aber danach stand er zur Mutter und dem geheimnisvollen Kind. Ich liebe diese Gestalt des Vaters ungemein und er war nicht so feig, wie viele Männer in unserer Gesellschaft. Er ist geblieben.“ In Andreas regt sich immer mehr eine unverständliche Wut.

„Damals habe ich es genau gespürt, dass du Sorgen hattest.  Aber ich war zu feig, um dich zu fragen und nein ich hätte dich nicht verlassen und ja, wenn du mir die Chance gegeben hättest, ich hätte sie ergriffen.“

Leonies Augen füllen sich mit Tränen. Da ist ein Mann, der zu ihr gestanden wäre. Da ist jemand der sich getraut hätte. Wie sehr hat sie sich getäuscht.

„Josef zeigt gerade uns Männern, was richtig ist, wie zu handeln wäre. Glaub mir, ich habe mich in dich verliebt und es gab keinen Tag, an dem ich nicht an dich dachte.“, Sehnsucht spricht aus jedem Wort und jedem Blick.

 

Freundschaft
„Ich ehre dich für deine Einstellung und auch für dein ritterliches Vorhaben und auch ich habe mich in dich verliebt und war über unser Zerwürfnis sehr traurig. Aber das ist jetzt fast vier Monate her und ich habe mich mit meiner Situation abgefunden. Ich werde mich ganz auf mein Kind konzentrieren und versuchen auch meine Arbeit fortzusetzen und glaub mir, für eine Beziehung habe ich weder die Zeit noch die Kraft. Aber für eine Freundschaft wäre ich dir sehr dankbar.“, lächelnd umfasst Leonie Andreas Hände und drückt sie liebevoll.

„Freundschaft?“, Andreas wollte entgegnen, aber da fällt ihm der Rat von Stefan ein. „Kämpfen! Du musst um sie kämpfen!“

„OK, wenn du willst, dann bleiben wir Freunde.“, strahlend sieht er sie an und Leichtigkeit wird zwischen ihnen spürbar.

Ein guter Kämpfer ist auch ein guter Stratege, denkt Andreas bei sich, denn ich liebe dich und werde dich nicht mehr loslassen, ganz gleich welche Hürden und Aufgaben ich noch erledigen muss. „Ich hab dich lieb, so lieb, ich möchte nur dass du es weißt.“, dieser Song von Grönemeyer kommt ihm in den Sinn.

Andreas greift seinerseits über den Tisch, umfasst nun Leonies Hände.

„Freundschaft. Ich bin dabei!“, lächelt er sie an, aber in Gedanken beendet er den Satz: “Hab dich lieb so lieb, und ich werde dich beschützen, bei dir sein bis du es weißt. Ich werde wie Josef meinen, unseren Traum leben, denn ich liebe dich!

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