Was macht mich aus? Was ist mein Wert?

2. Kapitel

Als sie die Augen schließt, hört sie das Schnurren ihres Katers und beginnt verträumt zu schlummern. Vor sich sieht sie die strahlenden Augen des jungen Mannes. Kein Gesicht, keine Kleidung, kein Körper. Nur seine glitzernden Augen sieht sie vor sich. Erschrocken fährt sie auf und bemerkt, dass sie geschlafen hat.

Und schon wieder diese Gedanken: Was macht mich aus? Was ist mein Wert? Was ist wirklich wichtig für mich, damit ich als Frau glücklich werde? Was macht mich als Frau aus?

Leonie packt ihren Mantel und schlendert durch die nächtlichen Gassen Salzburgs. Erneut kommen ihr die Augen des Mannes in den Sinn und sie fragt sich, was solche Augenblicke und Blicke in Augen eines Anderen bedeuten. Sie erreicht den kleinen Platz, auf dem ein schmiedeeiserner Papageno steht, der ihr mit seinen Federn irgendwie immer einen Hauch von Leichtigkeit schenkt. Auf dem Platz ist ein kleines Lokal, wo es die beste italienische Jause, hervorragende Weine und als wär das nicht schon genug, all dies zu erschwinglichen Preisen gibt.

Mit der liebenswerten Wirtin verbindet sie schon fast eine Freundschaft. Sie setzt sich an einen der sechs kleinen Tische. „Na, Leonie, was tust denn du heute bei mir?“ fragt Angelika. „Bringst du mir bitte ein gutes Glas Rotwein? Der heutige Tag war wirklich skurril und ich verstehe nicht, wie mir wiederfährt!“, sagt Leonie und erzählt Angelika von ihrem Nachmittag. Glücklicherweise ist an diesem Abend nicht sehr viel los, darum hört ihr Angelika aufmerksam zu.

„Weißt du Leonie, solche Augenblicke sind sehr wertvoll, denn genau solche Blicke in die Augen eines fremden Menschen sind oft eine Berührung im eigenen Herzen und auch mit dem Herzen des anderen. Ich glaube, du hast diese Berührung heute Nachmittag gefühlt. Wie mir scheint, hat dich dieser Mann im Herzen getroffen, gerade in dem Moment, in dem Fragen auf dich einströmen, die für dich neu und ungewohnt sind“. Angelika schaut Leonie mit fragenden Augen an. Leonie lächelt: „Ja du hast sicherlich Recht, der hat mich echt im Herzen erwischt. Vielleicht war es ja Amors Pfeil. Nein bitte nicht, denn das brauche ich jetzt gar nicht!“