Verhütung oder Freiheit?

85. Brief

Liebe Leonie,

die faszinierende Veränderung meines Körpers, meines Seins und vor allem meiner Beziehung, nachdem ich die Pille abgesetzt habe, ist es wert, dir davon zu erzählen.

Für mich und den meisten meiner in den 60igern geborenen Freundinnen, war es selbstverständlich mit dem Sex nicht auf die Ehe zu warten, sondern so früh wie möglich mit der Pille zu verhüten. Niemand, weder ich, mein Arzt, noch meine Mama, weder meine Tanten, noch meine Freundinnen machten uns diesbezüglich Gedanken oder Sorgen. So schluckte ich ab dem Beginn meiner Beziehung mit meinem Mann, diese rosarote Hormonbombe.

Ich war schon Mutter, als es mir eines Morgens nicht mehr möglich war, dieses Medikament zu mir zu nehmen. Mein ganzer Körper rebellierte aufs äußerste. Das war übrigens für mich, im Nachhinein gesehen, der erste Kontakt mit der Theologie des Leibes. Jedenfalls stoppte ich die Einnahme und konnte nicht fassen, was daraufhin passierte.

Laura K. die ich in „Die Wienerin“ entdeckt habe, beschreibt mein Empfinden in ihren Worten:

Ich lernte meinen Körper zum ersten Mal kennen.

Ich habe mehr Selbstbewusstsein, durch eine plötzliche innere Gelassenheit bekommen.

Ich bekam mehr Lust auf Sex und zu guter Letzt,

meine Energie und meine Lebensfreude steigerte sich augenblicklich.

Alexander Lischke,vom Institut für Psychologie der Universität Greifswald, hat eine Studie vorgelegt, die herausfand, dass durch den Zugriff der Pille auf die Zyklushormone Estrogen und Progesteron, Frauen  größere Schwierigkeiten haben, feine Nuancen von Gesichtsausdrücken zu lesen. Diese beiden Zyklushormone sind auch dafür verantwortlich, in unserem Gehirn die Emotionen zu verarbeiten. Darüber hinaus sind Frauen, die hormonell verhüten, auch mehr gefährdet an Depressionen zu erkranken, bis hin zu einer höheren Suizidrate.

All das, liebe Leonie, sind noch lange nicht alle Fakten, aber ich kann es anhand meiner eigenen Geschichte bestätigen, dass ich durch das Weglassen dieser sogenannten Wundermittel und dem Einüben der natürlichen Empfängnisregelung meinem Frausein viel näher kam.

Durch Verhütung werden die zwei großen Ereignisse, die uns die Sexualität schenkt und die untrennbar miteinander verbunden sind, nämlich Freude an mir und dem anderen zu finden und Kindern das Leben zu schenken, auseinandergerissen.

Die bedeutende Frage die Karolin Wehler in ihrem Video hervorstreicht, heißt: Liebst du mich ganz? Ganz, oder willst du nur einen Teil von mir?

Die weibliche Emotionalität und vor allem das Einfühlungsvermögen, wie im Gesicht des anderen lesen zu können, zeichnen gerade uns Frauen aus. Gerade aus diesen Gründen können wir so innig lieben.

Im Namen der Freiheit wurde uns viel genommen: wahre Emotionen, Einfühlungsvermögen, Sicherheit, Lebensfreude, Lust auf Sex und auch Freude an Kindern. Wir verlernten dadurch unsere absolute Hingabe und wir verloren uns dadurch selbst.

„Die Frau kann sich nicht selbst finden, wenn sie nicht den anderen ihre Liebe schenkt.“ so mein verehrter heiliger Papst Johannes Paul II.

Oder mit Laura K: „Doch umso mehr genieße ich sie – die Zeit und die Freiheit nach der Pille!“

Alles Liebe, Deine Maria

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