Im Du zum Ich

70. Brief

Liebe Leonie,

im Du erkenne ich mich. Für diese Erkenntnis brauchte ich annähernd 54 Jahre. Sogar als ich eine Schulung für Pinterest machte, erkannte ich, dass ich meine Reichweite nur erhöhen kann, wenn ich für einen meiner Pins mindestens 4 – 5 andere Pins teile. Bei einem Spaziergang mit meiner Hündin Lilly, dachte ich über diese ganzen Zusammenhänge nach und immer mehr wurde mir, auch unter Einbeziehung meiner Studien über die Theologie des Leibes, bewusst, dass das ganze Universum, jede Beziehung, einfach alles auf das Du aufgebaut sein muss.

Geschockt

Bei einem Treffen von Christen kam ich mit zwei Männern ins Gespräch, die sich für Pro-Choice, also für die Entscheidungsfreiheit der Mutter über das Leben ihres Kindes, aussprachen. Ich war so geschockt darüber, dass sogar in kirchlichen Kreisen diese Meinung zu finden ist. Mir tat es physisch im Herzen weh und ich sprach daraufhin mit meinem Mann. Ich fragte ihn, warum diese beiden Männer mir so weh tun konnten und daraufhin erklärte er mir, dass Abtreibung eine ungeheure Schweinerei sei und ich einfach mit den Kindern mitleide.

In ihrem Video erklärt Frau Professor Gerl-Falkovitz auf wunderbare Art und Weise, dass man nicht allein Tischtennis spielen könne. Die großen Beglückungen sind nicht ich bei mir, sondern die kommen aus einem hin und her. Ich brauche immer ein Du.  Am Anfang, während und am Ende meines Lebens steht immer ein Du.

Man kann kein Seil spannen,…

Philosophisch ausgedrückt: „Man kann kein Seil spannen, wenn man es nur an einem Ende hält.“ Heiner Müller. Leben hält sich immer in Spannung und darum braucht das Ich das Du. Ich brauche den anderen. Unsere Kinder brauchen uns, damit wir sie ins Leben führen können. Damit wir ihnen sagen, dass sie wertvoll, besonders und liebevoll sind.

Jesus sagt in Mt. 18,1-5 „Wer so klein sein kann, wie dieses Kind, ist der Größte im Himmelreich. Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.“  Wir brauchen diese Kinder. Wir brauchen alle Kinder, um uns selbst, die anderen und Gott zu finden. Darum war ich so traurig, als mir diese Männer erklärten, es sei in Ordnung, wenn diese wunderbaren Kinder nicht zur Welt kommen können.

Der Blick in die Augen Gottes wird der Höhepunkt sein, auf den wir hinarbeiten. Wenn ein anderer mir sagt, ich sei wertvoll und geliebt, dann ist der ganze Tag beflügelt, deshalb wird es umso schöner sein, in seine, in Gottes Augen zu sehen, zu erkennen, wie er mich sieht, um dann am Ende bestimmt zu wissen, wer ich wirklich bin.

Am Du zum Ich, diese Gedanken werde ich weiterdenken und freue mich auf viele Begegnungen in meinem Leben, damit ich durch diese zu mir selbst finde.

Alles Liebe Deine Maria

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