Gott und die Sexualität

42. Brief

Liebe Leonie,

der deutsche Psychiater und Autor Manfred Spitzer ist überzeugt: “In unseren Ländern ist Einsamkeit die häufigste Ursache von Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Depression und Suchtkrankheiten. Eine epidemisch sich ausbreitende Krankheit mit fatalen Folgen für Körper und Seele.“

Unter Einsamkeit versteht Manfred Spitzer nicht nur soziale Isolation, sondern einen anhaltenden inneren Schmerz der Beziehungslosigkeit, an dem Menschen, auch mitten unter Menschen, im größten Aktivismus, leiden können.“, diese Sichtweise las ich in der Kolumne von Guiseppe Gracia.

Ich glaube diesen inneren Schmerz der Beziehungslosigkeit kennen sehr viele Menschen. Aber warum sind im Zeitalter des Internets, des Handys, der unbegrenzten Mobilität und in der über alle Möglichkeiten verfügbaren Welt immer mehr Menschen einsam? Vielleicht liegt auch ein Grund in der überbordenden, banal gelebten Sexualität. Unter dem Motto: „Ich nehme mir, was ich will!“

Kurz vor meiner Hochzeit sprach mich nach der heiligen Messe eine ältere, zierliche Bäuerin aus Eben, die ich sehr schätzte und mochte, an und sagte: „Maria vergiss nie darauf aufzupassen, dass der Ofen in deinem Leben behütet und bewahrt wird. Dass er nie ausgeht und kalt wird!“. Ich dachte lange sie meint damit, dass ich darauf achtgebe, dass es in meinem zukünftigen Zuhause immer schön warm sein sollte. Erst durch den Studiengang Theologie des Leibes erkannte ich, was sie meinte. Diese liebenswerte, weise Ebnerin meinte mein Feuer. Das Feuer der Liebe. Dieses Feuer soll einen Ort schaffen, einen Lebensraum kreieren, in dem es sich gut leben lässt. Dieses Feuer sollte ein Symbol des Lebens sein, das Nahrung und Wärme gibt.

Liebe in ihren verschiedenen Ausprägungen soll durch dieses Feuer entstehen. Die Liebe zu Gott, die Liebe zu Freunden, die Liebe zu meinen Kindern und die Liebe für meinen Mann. Also auch die körperliche Liebe. Dieses Bild des Feuers auch für Sexualität verwendet, gefällt mir besonders gut. Es gibt ja auch die liebevolle Bezeichnung: „Sie ist meine Flamme!“. Dieses Feuer das wärmt, Freude bringt und Leben spendet. Doch dieses Feuer muss behütet werden, denn wenn Flammen nicht kontrolliert werden, werden sie zu einem zerstörerischen Element. Ein außer Kontrolle geratener Brand zerstört, verletzt und treibt Menschen durch die innere Beziehungslosigkeit in die Einsamkeit.

Darum muss Sexualität eingebettet sein in etwas Größeres, etwas das sie beschützt und achtsam mit ihr umgeht. Für mich ist das die Ehe.

„Der Kern des Lebensglücks ist sexuelles Glück und sexuelles Vergnügen führt zu Gesundheit und Glück“, so Wilhelm Reich. Die Bäuerin und ich wollen nicht mit einem Wilhelm Reich, der die sexuelle Revolution gefördert hat,  diskutieren. Aber wir wissen sehr wohl, dass das Feuer, um Glück und Leben bringen zu können, gebändigt und bewahrt werden muss.  Wir beide wissen auch, es ist ein großes Geschenk Gottes, der uns an seiner Liebe teilhaben lässt.

Liebe Leonie, das Bild des Feuers fand ich auch auf youtube bei Pater Johannes und so erinnerte ich mich mit Liebe an diese weise alte Frau. Lass dich nicht von fremden Meinungen manipulieren, aber trau dich, dir von vertrauenswürdigen Frauen in deiner Nähe in dein Leben hineinsprechen zu lassen. Guter Rat ist wie ein Geschenk, das hilft, den eigenen und individuellen Lebensweg, vor allem beim Thema Sexualität, zu finden und bei Weggabelungen eine Entscheidung treffen zu können.

Alles Liebe Deine Maria

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