Leihmutterschaft?

40. Brief

Liebe Leonie,

„dürfen wir alles machen, nur weil wir es können? Was sind die Auswirkungen auf Schwächere, auf die Gesellschaft insgesamt? Was passiert, wenn Reproduktionsverfahren einer kommerzialisierten Welt zunehmend von Profit- und Wunschdenken dominiert werden?“, so Eva Maria Bachinger.

Leihmutterschaft wird uns in Zukunft noch viel beschäftigen. Eine ungewollte Kinderlosigkeit ist mit Sicherheit einer der schlimmsten Schicksale, die ein Paar treffen kann. Aber dürfen wir, um zu helfen, Grenzen überschreiten? Als ich mich für diesen Eintrag vorbereitete, fand ich eine wunderbare, unheilvolle Geschichte, die das Leid zweier Frauen darlegt. Der Frau, die das Kind gebiert und der Frau, die das Kind bekommt. Ein Satz in diesem Roman hat mich erschüttert: „Ich kann all diese Ungeborenen nicht entwurzeln!“ Ja es geht nicht nur um die Leihmutter, um die Bestellmutter oder das betroffenen Kind, die allein schon viel mit Leid konfrontiert werden. Nein, es geht auch um die vielen Nachkommen, die um wirklich leben zu können, wissen müssen, woher sie stammen.

Liebe Leonie, ich weiß ich kann bei diesem Thema nicht wirklich mitreden. Oder als Mutter doch? Wenn ich das Augenmerk auf die Menschenwürde richte, dann drängen sich mir viele Fragen auf.

  • Wird das Kind erfahren, von wem es abstammt?
  • Hat das Kind ein Recht darauf, bei einem Vater und einer Mutter aufzuwachsen?
  • Wie werden die verschiedenen Familienformen behandelt?
  • Wie sollte es möglich sein, dass während der Schwangerschaft keine Beziehung zwischen Mutter und Kind aufgebaut werden soll?
  • Wie geht man mit Erkenntnissen der Epigenetik und Bindungsforschung während der Schwangerschaft um, da sie anscheinend völlig unberücksichtigt bleiben?
  • wird das Kind für den Wunsch von Erwachsenen instrumentalisiert?

Wie geht es der Leihmutter?

  • Wird die Ersatzmutterschaft die Menschenwürde der Frau herabsetzen, da ihr Körper und seine Fortpflanzungsfunktionen als Ware genutzt werden?
  • das Kind wird zumeist nur gewollt, wenn es gesund ist, ansonsten besteht Abtreibungspflicht der Leihmutter.
  • Ist das nicht ein moderner Sklavenhandel?
  • Verschieben wir da nicht wieder die Schere zugunsten der Reichen?

Diese Fragen liegen in der Luft und ich glaube jeder von uns sollte sich auch mit diesem so komplexen Thema beschäftigen. Kinderlosigkeit ist, wie gesagt, ein schlimmes Schicksal, aber rechtfertigt ein Schicksal alle Vorhaben? Heiligt der Zweck die Mittel? Ist es nicht gerade auch hier so wichtig darüber nachzudenken, wem geholfen wird und wem man dabei schadet? Bei einer Adoption sind Eltern für ein Kind da, bei einer Leihmutterschaft muss das Kind für die Kinderwünschenden da sein.

Liebe Leonie, es gibt viele Menschen, Gruppen und Organisationen, die sich gegen die Einführung der Leihmutterschaft einsetzen. Ich halte es mit Dr. Stephanie Merckens: “Leihmutterschaft ist und bleibt Kinderhandel!”.

So sind wir wieder aufgefordert, die Schwächsten schützen!

Bis zum zanzigsten September,

Alles Liebe Deine Maria

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