Sehnsucht des Herzens

37. Brief

Liebe Leonie,

diese Sehnsucht nach den Nächsten, diese Sehnsucht nach Gott, diese Sehnsucht nach bedingungsloser Liebe beschäftig uns Menschen schon unser ganzes Leben. Wir möchten genügen. Wir möchten bestehen. Wir möchten geliebt werden. Und das bedingungslos. Aber wie verhalten wir uns? Sind wir dieser Liebe überhaupt würdig? Gerade wir in unserem Überfluss, in unserer Wohlstandsgesellschaft.  Jesus macht es in der Bergpredigt klar, die Hungernden werden satt werden, die Verlassenen bekommen Trost, die Sklaven werden befreit.

Aber kommen wir Gutgekleideten und Satten eigentlich in der Bibel vor?

„Unter jedem Dach ein Ach!“, wie der Volksmund so treffend beschreibt oder anders ausgedrückt: „Viele schöne Kleider decken Wunden zu, hinter jeder Sattheit steckt auch ein Hunger und könnte die scheinbare Lebenslust nicht doch nur Lack auf der Oberfläche sein?“

Frau Professor Gerl-Falkovitz hat mich in ihrem kleinen wunderbaren Buch „Blitzlichter auf die Botschaft Christi“ auf diese Gedanken gebracht.  Im Text „Alltag“ fand ich mich angesprochen, mehr noch, ich fand mich wieder. In meiner eigenen Geschichte gibt es viele kleine Kreuze, die ich zu tragen habe. Jedes einzelne ist nicht wirklich schwer. Es gibt schwerere, aber auch leichtere. „…schon das aufzählen wäre läppisch.“, und trotzdem fühlt sich jedes wie ein kleiner Stein im Schuh an, der mich hinken lässt.

Liebe Leonie, jede, jeder trägt seine Wunden und jeder hat sein Schicksal. Aber auch wir satten, gut gekleideten, freien Menschen können auf die Gerechtigkeit Gottes vertrauen. Jesus hat es uns in der Bergpredigt versprochen. Unsere oder meine Aufgabe ist es immer wieder, der Hoffnung eine Chance zu geben, dass Gott es gut enden lässt.

Gerade der Alltag ist oft schwer zu ertragen, jedes einzelne kleine Kreuz wird uns oft zu schwer. Ich bin im April unter der Last meines Kreuzes, weil ich ja unbedingt alles selbst tragen wollte, in die Knie gegangen und durch diese Last riss mein rechtes Kreuzband. Ich weiß, das ist eine sehr abenteuerliche Annahme, doch gerade in der Theologie des Leibes lernten wir, dass der Körper, der Leib das ausspricht, was wir empfinden. Ich gehe weiter, er spricht auch das aus, was uns noch gar nicht bewusst ist.

Darum liebe Leonie sollten wir uns alle aufmachen, die Sehnsucht unseres Herzens hören zu wollen, obwohl wir verwundet, hungrig, durstig und auch arm sind.

Oder wie Frau Professor Gerl-Falkovitz in Blitzlichter so wunderbar darlegt, „…dem Stolpernden streckt sich die Hand entgegen. Nicht im Vollgefühl eigener Kraft – nur stolpernd und schluchzend vor Glück lässt sich bekennen, wer Er, Jesus, ist.“

Bis zum zehnten Juli

Alles Liebe Deine Maria

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