Muttertier

32. Brief

Liebe Leonie,

Am 6. Mai wurde Clara Fey im Aachener Dom seliggesprochen. Welch glücklicher Zufall. Ich suchte nach einer Frau, die ganz aktuell im Gespräch ist, weil sie Kinder hilft, zu wachsen, zu lernen und vor allem zu überleben. „Denn Clara Fey ist mit ihrer aus lebendigem Glauben erwachsenen Kombination aus karitativem Engagement für arme Kinder und deren Familien und ihrem konsequenten Eintreten für Bildung als Weg in ein selbstbestimmtes Leben ein Vorbild für unsere Zeit“, so in dem Artikel von Barbara Stühlmayer in der Tagespost.

In den schwierigen Jahren der Industrialisierung im 18. Jahrhundert setzte sich Clara Fey für arme, vernachlässigte Kinder ein. Rasant wuchs ihre Gruppe und nach 30 Jahren gab es bereits 560 Schwestern, die in 23 Häusern 1 500 Mädchen als Internatsschülerinnen, 500 Kinder in Waisenhäusern sowie 12 000 Kinder in den Gemeinden und Grundschulen, unterrichteten. Ihr Bruder Fey beschrieb den Einsatz seiner Schwester und ihre Mitstreiterinnen so: „Die vier stricken sich in jeder freien Minute die Finger wund, um ein Kind mehr aufnehmen zu können.“ (Tagespost)

Während ich über den Brief und seinen Inhalt nachdachte, kam mir der Film „Mona Lisas Lächeln“ mit der traumhaften Julia Roberts in den Sinn.

Im Leben von Clara Fey und im Film geht es um Kinder, um Bildung und um die Liebe zu den jungen Menschen. Es geht um den Einsatz von engagierten Frauen, damit diese jungen Personen fähig werden, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Liebe Leonie, ich weiß, der Spagat zwischen einer Seligsprechung und einem guten, aber doch nur einem Film ist groß, aber die Quintessenz dieser Berichte ist, der Einsatz für Menschen. Eine Lehrerin im Film, eine soeben selig gesprochene, großartige Frau zeigen uns in bewundernswerter Weise vor, was Mütter als ganz selbstverständlich erachten. Kleinen Menschen dabei zu helfen, zu wundervollen großen Menschen zu werden.

Das traurige an der ganzen Geschichte ist, dass der Einsatz der Mütter in unserer Gesellschaft nicht wahrgenommen oder sogar schlecht geredet wird. Darüber hinaus gibt es immer noch viele Männer, Frauen, Politiker und andere, die glauben zu wissen, was das Beste für uns Frauen, für uns Mütter ist. Früher war es die Familie, der Haushalt, die Kinder. Jetzt sind es Beruf, Karriere und Selbstständigkeit. Gerade in der Politik und in der Gesellschaft reden alle über Frauenpolitik, Quoten und Gender. Alle reden über Mütter, aber keiner mit ihnen.

Ich musste am eigenen Leib erfahren, wie schmerzhaft es ist, wenn andere Menschen deine Entscheidung, dein Leben so zu leben, wie du es richtig findest, missbilligen.

Die selige Clara Fey hat es uns vorgelebt. Trotz vieler sehr schwerer Situationen, in der Zeit von Bismarck, musste sie sogar alle ihre Niederlassungen in Deutschland schließen, hielt sie daran fest, Kinder zu fördern, sie zu lehren und sie Jesus nahe zu bringen.

Liebe Leonie, wir Frauen wissen in unserem Herzen genau, welcher Weg für uns der Richtige ist. Denn Gott hat uns Frauen so ausgestattet, dass wir fühlen und wissen, was notwendig ist und was zu tun ist. Oder wie die hl. Edith Stein sagt:

  • Der Frau ist das Lebendig-Persönliche besonders wichtig und sie sieht immer das Ganze.
  • Hegen, Hüten, Bewahren, Nähren und im Wachstum Fördern sind ihr natürliches, echtes, mütterliches Verlangen.

Um das aber in unserer Zeit leben zu können, müssten wir von der Gesellschaft, von der Politik und von unseren Männern gestärkt, geschätzt und geschützt werden.

Oder wie beim Tanzen. Ich kann die schönsten, schnellsten, aufregendsten Drehungen tanzen und in einer Schönheit strahlen, wenn mein Mann mich festhält, mir einen großzügigen Raum schafft und mich führt.

Bischof Gieser richtete seinen Dank am Ende der Feier vor allem an die Schwestern: „Sie verändern Biografien zum Guten, sie pflanzen Hoffnung und Mut in lebendige Herzen. Sie helfen, dass Charismen sich trotz widriger Umstände entfalten können.“, so im Artikel in der Tagespost

Mütter und Muttertiere verändern ihrerseits Biografien zum Guten, auch sie pflanzen Hoffnung und Mut in lebendige Herzen, auch sie helfen, dass Charismen sich trotz widriger Umstände entfalten können. Lasst uns alle diese Muttertiere dabei unterstützen.

Alles Gute zum Muttertag!

Bis zum zwanzigsten Mai

Alles Liebe Deine Maria

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