Selbstannahme

30. Brief

Liebe Leonie,

Unbezahlbar! Selbstannahme! Sehr lange dachte ich darüber nach, ob es zwischen diesen beiden Wörtern Verbindung gibt. Ich lernte durch die Videos von Vera F. Birkenbihl, ABC-Listen kennen und liebe es seitdem, mit Wörtern und Bedeutungen zu spielen. Als ich so für beide Bezeichnungen, Unbezahlbar und Selbstannahme, Listen, die schnell und vom Bauch heraus erstellt werden sollten, notierte, erkannte ich, dass sich Autorität, Bindung, Empathie, Freiheit, Halt, Identität, Zeit und Liebe überschnitten.

Im letzten Brief führte ich die ersten drei Stufen des Entwicklungskonzeptes von Psychoanalytiker Erik H. Erikson (1902–1994) an. In seiner vierten Stufe soll das Kind Werksinn praktizieren, also lernen etwas selbst zu bauen, probieren oder machen, statt Minderwertigkeitsgefühle zu entwickeln. In der fünften Stufe geht es um Identität, die der junge Mensch finden soll.

Aber was hat das mit Autorität, Bindung, Empathie, Freiheit, Halt, Identität, Zeit und Liebe zu tun? Was mit Selbstannahme?

Ich sprach mit einer Freundin darüber und sie erzählte mir einen wunderbaren Vergleich. Sie las in Facebook einen Kommentar: „Lasst Kinder so sein und sich so entwickeln, wie Schmetterlinge es tun.“ Nachdem sich diese Insekten entpuppt haben, sind in dieser Familie, der zweit artenreichsten Insektengruppe alle Exemplare unterschiedlich. Einige fliegen hoch, einige fliegen tief. Einige sind bunt, einige eher einfärbig. Einige groß, einige klein. Aber schön, schön sind sie alle!“

Wenn wir Eltern uns darüber bewusst sind, dass unsere jungen Menschen ihre Identität im Jugendalter beginnen zu entdecken und versuchen sie auszubilden, dann braucht es von unserer Seite Autorität, Bindung, Empathie, Halt, Zeit und Liebe, damit unsere Kinder in Freiheit, „ihre Identität“ finden können. Auch wenn sie Wege einschlagen, die für uns als Mütter und Väter oft nicht nachvollziehbar sind, braucht es wieder Autorität, Bindung, Empathie, Halt, Zeit und ganz viel Liebe, damit sie in Freiheit ihre Identität finden können.

Und wenn diese Schritte, die lebenslang zu gehen sind, gegangen werden können, lernt der junge Mensch, aber auch wir selbst, uns so anzunehmen, wie Gott uns geschaffen hat. Mit all unseren Fähigkeiten, unseren Gaben und auch mit unseren Eigenheiten. Wenn wir Gott auf diesem Weg mit einbeziehen, sind wir auf der sicheren Seite, werden wir Sieger in unserem Leben.

Liebe Leonie, wenn du diese Schritte gehst und Unterstützung von deinen Lieben bekommst, dich selbst kennenlernst, deine Gaben und Fähigkeiten erkennst und deine Eigenheiten akzeptierst und auch zu verändern versuchst, wenn du dich selbst annehmen kannst, dann wirst du selbstsicher, selbstvertraut und bist wissend über dich. Darüber hinaus verminderst du die Gefahr, manipulierbar zu sein.

Und dieses Gefühl der Selbstannahme ist unbezahlbar!

Bis zum ersten Mai.

Alles Liebe Deine Maria

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