Partnerwahl

25. Brief

Liebe Leonie,

In der heutigen Zeit wollen viele Menschen keine Verantwortung für einen anderen tragen. Männer scheuen sich oft Verantwortung für Frauen zu übernehmen und auch die Frauen ihrerseits verhalten sich ähnlich. Aus diesem Grund kann eine gute Partnerwahl in unserer Zeit schwierig werden.

Als ich meinen Mann kennenlernte, war ich Anfang achtzehn und noch ziemlich grün hinter den Ohren. Ich war sofort ihn diesen jungen Kerl verliebt. Nicht so er. Ein ganzes halbes Jahr übersah er mich, auf dem Tennisplatz, in der Disco oder wenn wir uns irgendwo zufällig trafen. Doch plötzlich, nach sechs Monaten bat er mich um einen Tanz, überfordert wie ich war, sagte ich trotz meiner Absicht, nicht mit ihm zu sprechen, Ja.  Doch nach diesen 6 Monaten, traute ich ihm doch nicht so ganz und so ließ ich mir mit allem sehr viel Zeit, was sich im Endeffekt als sehr positiv herausstellte. Ich war vom ersten Tag in ihn verliebt, aber durch diese Erfahrung hinterfragte ich viel. Im Gegensatz zu vielen anderen ließ ich uns sehr viel Zeit. Wir waren schon 5 Monate zusammen, als mir einfiel für 2 Monate nach England zu gehen und nach zwei Jahren Gemeinsamkeit besuchte ich für weitere zwei Jahre eine deutsche Schule, die in 500 Kilometer Entfernung lag. Natürlich brach mir durch diese Trennungen immer wieder das Herz, aber ich wollte meinen Weg gehen. So lernten wir uns ganz langsam kennen, wir erarbeiteten uns buchstäblich die gleichen Hobbys, erkannten die gleichen Werte für wichtig und der Glaube sollte ein fixer Punkt in unserem Leben werden.

Als ich Gudruns Video sah, dachte ich darüber nach, wann ich das letzte Mal über meinen Mann staunen konnte. Den Brief schreibend, fahren wir gerade nach Wien, um den berühmten Wiener Opernball zu besuchen. Ich hätte mir nie vorstellen können, diese exzentrischen Veranstaltung zu besuchen.

Und ja, jetzt staune ich über meinen Mann, von dem ich weiß, er hat nicht die größte Lust für dieses Spektakel, aber er fährt um meinetwillen. Er leiht sich einen Frack aus, um meinetwillen. Er geht mit mir tanzen, um meinetwillen.

Gudrun hat recht, wenn man über den Partner staunen kann, vor seiner Größe, vor seiner Stärke und vor seiner Liebe, dann spürt man im Herzen, es ist gut und richtig.

Die daraus entstehenden Gespräche, das miteinander reden können, die gemeinsamen Interessen, Hobbys und Werte erleichtern die ganze Sache ungemein und so kann man erkennen, dass sich Gleich und Gleich gerne findet und gesellt.

Das ist zwar jetzt keine Checkliste, wie Leonie sich eine wünschen würde, aber es sind doch einige Anhaltspunkte, an denen man sich orientieren könnte.

In meiner Geschichte hat sich die Zeit als sehr guter Indikator erwiesen. Durch meine längere Abwesenheit, konnten wir beide uns kennen lernen und unsere Beziehung festigen. Darüber hinaus wurde auch Treue eingefordert, ohne die es in meinen Augen gar nicht funktionieren kann.

Lieben heißt, sich binden. Die Liebe ist etwas Großes, weil sie verbindlich ist. Sich binden heißt, einen Vertrag zu schließen und zu der getroffenen Wahl zu stehen. Lieben heißt, Verantwortung zu übernehmen und dafür zu bürgen“. so Enrique Rojas, in Liebe – die große Chance.

Jemanden zu lieben, heißt auch, mit ihm in der zeitlichen Dimension zusammen zu halten, mit ihm die Zukunft zu gestalten und auch zu erleben. Es gibt keine echte Liebe ohne den Willen, eine Bindung einzugehen. Auch gehört zu Liebe Verantwortung und Treue, denn durch diese beiden wird die Liebe beschützt und gestärkt.

Liebe Leonie, ich hoffe ich konnte Dir wieder eine kleine Orientierungshilfe geben.

Alles Liebe Deine Maria

Erzählung über Leonie:

Zur Geschichte

Expertenmeinung zum Thema:

Zum Blogeintrag