Väter und Töchter

24. Brief

Liebe Leonie,

Väter sollten Helden für ihre Töchter sein. Aus eigener schmerzlichen Erfahrung kann ich diesen Satz von ganzem Herzen unterschreiben. In meiner Jugendzeit erlebte ich eine Situation, in der ich meinen Vater als Helden gebraucht hätte. In dieser Zeit aber waren meine Eltern damit beschäftigt, eine Firma aufzubauen und durch die viele Arbeit konnte mein Vater meinen Schmerz weder sehen noch spüren. Darüber hinaus war das Wissen über die Entwicklung eines Kindes in der gesamten Gesellschaft noch nicht sehr verbreitet und nur wenige Personen wussten über die Bedürfnisse eines Menschen Bescheid.

In meinem Studiengang Leib-Bindung-Identität lernte ich das Modell nach Grawe kennen, indem es vier Grundbedürfnisse gibt, die jeder Mensch gestillt haben will. Das Bedürfnis nach Selbsterhöhung, das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung, jenes nach Kontrolle und Ordnung und schließlich das Bedürfnis nach Bindung.

Liebe Leonie, gerade Kinder und Jugendliche sind auf ihre Eltern angewiesen, um diese Sehnsucht nach Befriedigung der Bedürfnisse erfüllen zu können. Der Vater hat hier eine große Aufgabe, denn er kann seinen Töchtern in der Zeit, die er mit ihnen schenkt, Ordnung und Kontrolle beibringen. Aber auch Wertschätzung, die sich in der Selbsterhöhung wiederspiegelt. Wenn Vater und Tochter schöne und lustige Erfahrungen gemeinsam erleben, dann lernt das Kind, wie es Lust gewinnen kann. Aber auch wenn etwas schiefläuft, kann eine stabile Vaterbeziehung bei der Unlustvermeidung helfen. In anderen Worten jeder will seine Sehnsucht nach Sicherheit, Wertschätzung, Bindung und Liebe gestillt bekommen.

„Mädchen mit liebevollen Vätern sind selbstbewusster und durchsetzungsfähiger. Töchter, die sich von ihrem Vater geliebt und ihm verbunden fühlen, sind mit ihrem Körper zufriedener und neigen weniger zu Depressionen. Mädchen mit einer starken Vaterfigur im Hintergrund fühlen sich sicherer und haben ein besseres Selbstwertgefühl. Väter helfen Töchtern, kompetenter, zielorientierter und erfolgreicher zu sein“, diese las ich im Buch „Starke Väter – Starke Töchter“, dass ich jeden Vater ans Herz legen möchte.

Auch was das Liebesleben eines Mädchens oder einer jungen Frau betrifft, so ist eine starke Vaterfigur ein Schutz vor zu frühen Sexualkontakten. Wenn aber keine Bestätigung und Wertschätzung vom Vater kommt, sei es durch Abwesenheit oder Härte, kann es sein, dass diese Sehnsucht nach Bestätigung von anderen Männern oder Jungs gestillt werden soll. Frühe sexuelle Kontakte sind für die Mädchen mit einer schwachen Vater-Tochter-Beziehung eine Möglichkeit, um Anerkennung und damit eine Aufwertung der eigenen Persönlichkeit als Frau zu bekommen.

Wenn ich so in meine Geschichte zurückblicke, glaube ich, meine jahrelange Suche nach Bestätigung, Anerkennung und Liebe ist auch zu einem Teil im Verhältnis mit meinem Vater begründet. Papa erkannte schon vor einiger Zeit, wie wichtig er für mich ist und schenkt mir Aufmerksamkeit, Wertschätzung und seinen liebenden Blick.

Väter sollten Helden für ihre Töchter sein und in ihrem Verhalten sollten sich Stärke, Güte und Standfestigkeit vereinen. Denn glaub mir, liebe Leonie, diese Beziehung zwischen Vätern und ihren Töchtern ist eine Beziehung fürs Leben.

Bis zum zwanzigsten Februar

Alles Liebe Deine Maria

Erzählung über Leonie:

Zur Geschichte

Expertenmeinung zum Thema:

Zum Blogeintrag