Einsatz für den anderen

20. Brief

Liebe Leonie,

 

„Um uns herum sind viele Stimmen. In Medien-, Arbeits- und Schulwelt, in engerer und weiterer Familie – viele wollen uns überzeugen und auf ihre Seite ziehen. Wir müssen uns entscheiden, welchen Stimmen wir Vertrauen schenken. Wir Christen prüfen diese Stimmen immer neu an der Botschaft Jesu. Uns helfen dabei Erfahrungen anderer Christen, die beispielsweise in christlichen Medien aktuelle Entwicklungen beobachten und bewerten. So schrieb mir Petra Lorleberg, Dipl.-Theol., kath.net Redaktion auf meine Frage, wie sie ihren Einsatz in der Gesellschaft beschreiben oder bewerten würde.

Liebe Leonie, ich versuchte lange, einer mir nahestehenden Frau zu helfen. Ich nahm mir viel Zeit, hörte mir ihre Probleme und ihre Gedanken an, analysierte ihre Situation, erklärte ihr meine Sicht der Dinge und forderte sie immer wieder auf, doch dies und das zu ändern. Ich erkannte dabei nicht, dass ich ihre Grenzen maßlos überschritten habe. Mit dem Ergebnis, dass dieser für mich sehr wertvolle Mensch jeden Kontakt zu mir abgebrochen hat.

Diese Geschichte soll aufzeigen, dass der Einsatz für den anderen nicht immer leicht, beziehungsweise richtig ist, auch wenn es oft so scheint. Aus dieser für mich sehr schmerzhaften Erfahrung heraus, versuche ich nun zu lernen und stets zu überlegen, wann, wo und wie ich gebraucht werde. So sind die Zeilen von Frau Lorleberg wie Balsam auf meiner Seele. Ich habe in den letzten drei Jahren durch das Büffeln für die Matura und durch meine beiden Studiengänge gelernt, wie wichtig es ist, sich genau zu informieren, zu lesen und immer weiter zu lernen und das Gehörte und Erfahrene immer wieder auf die Botschaft Jesu auszurichten. Und so passiert es mir immer öfters, dass ich zwar ganz schnell Ratschläge geben will, mich aber dann doch einbremse, nachdenke und erst später zu helfen versuche.

Rede nur, wenn du gefragt wirst, aber lebe so, dass man dich fragt! Paul Claudel

Oft ist es aber auch notwendig, schweigend den Dingen seinen Lauf zu lassen, gleichzeitig aber für eine gute Lösung zu beten.

Mit dieser Erfahrung versuche ich mich für den Schutz des ungeborenen Lebens, für eine wertvolle entwicklungssensible Sexualpädagogik in den Schulen und auch für die richtige Stellung der Familie in der Gesellschaft einzusetzen und zu kämpfen. Doch es braucht Zeit, Weisheit und Mut, den richtigen Weg zu nehmen und achtsam mit diesen Problemen umzugehen. Denn hier geht es um Kinder.

So bewundere ich alle Menschen, die sich für diese Themen mit all ihrer Kraft, ihrem Wissen und mit ihrer Zeit einsetzen.

Liebe Leonie, mit der Ansprache „Ehre wem Ehre gebührt“, begrüßte ich alle Pfarrmitarbeiter am Anfang meiner Arbeit für die „Woche für das Leben“ und meinte es auch so: Ehre wem Ehre gebührt. Gerade den Ehrenamtlichen wird diese Ehre oft nicht zu Teil, obwohl sie einen sehr großen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. Sei es das Rote Kreuz, Mitarbeiter in einer Pfarre, Lebensschützer, oder sei es eine Organisation wie „Familienallianz“, Menschen, die sich für eine wertvolle Sexualerziehung in den Schulen einsetzen.  Jeder der mithilft, dass die Welt ein Stück besser werden kann.

All diesen soll immer wieder gedankt werden. Ebenso: Ehre allen Müttern.

Bis zum zehnten Dezember

Alles Liebe Deine Maria