Dynamik der Hingabe

17. Brief

Liebe Leonie,

Deine Mutter bietet Deinem Papa Hilfe an. Mehr noch, sie steht ihm auch in der Nacht zur Seite und möchte mit ihm gemeinsam versuchen, seine Probleme zu lösen.

„Den anderen zu ermutigen, zu stärken und zu fördern, damit er sich entwickeln kann, wie es seinem Selbst entspricht,“ so sollte eine gelungene Partnerschaft gelebt werden.

Doch welchen Unterschied macht es, in einer Partnerschaft ohne Trauschein zu leben oder doch das verbindliche „Ja-Wort“ dem geliebten Menschen vor Gott zu schenken?

  1. die Unauflöslichkeit der Ehe, sie ist auf immer ausgerichtet,
  2. die eheliche Ausschließlichkeit, ich entscheide mich für einen einzigen Partner,
  3. das Wohlergehen meines Partners steht im Vordergrund und
  4. beide wollen leiblichen Kindern das Leben schenken.

Die Unauflöslichkeit: Wir bleiben immer zusammen, bis der Tod uns scheidet. Allein dieser Umstand gibt große Sicherheit. Ich werde nie alleine sein – ob jung und hübsch oder alt und nicht mehr ganz in Form, ob guter Dinge oder unleidlich – mein Partner bleibt bei mir, weil er es mir einfach versprochen hat. In der Zeit nach der Geburt eines Kindes beispielweise, ist jede Frau schutzlos, hilfsbedürftig und braucht gerade in dieser Zeit die Gewissheit, nicht allein gelassen zu werden. Gerade schwierige Lebenssituationen, wie Krankheit, Schicksalsschläge oder auch das Älter werden, kann man an der Seite eines geliebten Menschen viel besser ertragen.

Die eheliche Ausschließlichkeit: Die Treue ist ein ganz wesentlicher Aspekt. Denn durch das Wissen, ich bin die Einzige, nur mit mir teilt er diese Verbundenheit, kann ich mich im Leben und in der Sexualität ganz in die Arme des anderen fallen lassen.

Zum Wohle beider: Wenn ich davon ausgehen kann, mein Mann denkt, handelt und entscheidet zu meinem Besten, erspare ich mir viele Zweifel.

Das Ja zu Kindern: Erst wenn beide, Mann und Frau leibliche Kinder wollen, wird  eine Ehe erst zu einer Ehe.

Durch diese vier Säulen einer Partnerschaft, wird das Haus eines gemeinsamen Lebens feste Wände und Decken bekommen. Das Fundament für dieses Haus ist Gott. Wir geben uns das gegenseitige „Ja“ vor Gott und laden ihn damit ein, mit uns dieses gemeinsame Lebenshaus zu bauen. In diesem kann Vertrauen und Liebe wachsen. Wenn ich bedingungslos geliebt werde, entsteht durch die Geborgenheit und die Sicherheit, selbst in schlechten Zeiten gehalten und beschützt zu werden, Freiheit. Denn, liebe Leonie, wenn jemand stets an deiner Seite bleibt und dich fängt, wenn du stürzt, dann wirst du nicht weit fallen. Durch diese Freiheit, die somit dadurch entsteht, sich nicht allzu sehr sorgen zu müssen, werde ich dazu befähigt, mich auf die alltäglichen Dinge zu konzentrieren, mich auf meine Kinder einzulassen und auch im Beruf meine Frau zu stehen.

In diesem geschützten Raum  fällt es mir viel leichter, mich ganz meinem Mann zu öffnen. Dadurch entsteht ein gegenseitiges Empfangen und Geben, eine Dynamik, die man auch Dynamik der Hingabe nennt.

Als mein Mann und ich zu tanzen begannen, war das Erste, was wir von unserem Tanzlehrer hörten: Wenn der Lift sich im fünften Stock in unserer Tanzschule öffnet, betretet ihr eine Männerwelt. Hier führt der Mann, er hält fest und er entscheidet.  Die Frau lässt sich führen.

„Na bravo,“, dachte ich bei mir, „das kann ja lustig werden…“

Jetzt nach 4 Jahren Übung, haben wir beide erkannt, dass wir am besten gemeinsam abrocken, wenn ich mich führen lasse und Rupert zeitgerecht entscheidet, ob ich eine rechte oder eine linke Drehung machen soll. Doch das wirklich Entscheidende für mich ist, festgehalten zu werden. Denn dann ist es ein Leichtes meine Drehungen, nach links, rechts, unten durch oder auch seitlich vorbei zu tanzen. Ich bin meistens diejenige, die mit ihren Drehungen Schönheit und Harmonie in unseren gemeinsamen Bewegungen entstehen lassen kann.

Wir beide genießen es so sehr, uns so auf einander einzulassen.  Gemeinsam und im Takt der Musik diese oft schweren Figuren zu tanzen, lässt einen Zusammenklang entstehen, der unbeschreiblich ist.

Einer der erotischsten Tänze, der Tango argentino, bei dem ich mich vollkommen fallen lassen sollte, ist mittlerweile mein liebster Tanz und der die Dynamik der Hingabe wunderschön verkörpert.

Bis zum zehnten November,

 

Alles Liebe Deine Maria